Für den Auftakt des achtteiligen Jahresprogramms Night Shifts wird ein Ort im erweiterten Hafengebiet bespielt. Exemplarisch für nächtliche Arbeitsprozesse und die unsichtbare Zirkulation globaler Warenströme betreten wir das Gelände der Containerfirma Unitainer Gmbh in Wilhelmsburg. Dort zeigt die Malerin Cecilie Norgaard eine neue für diesen Ort produzierte Arbeit. Drei Nachtwächterinnen eröffnen den Abend um 18 Uhr mit einer performativen Führung durch die Dämmerung.
Norgaards Bildwelten bewegen sich zwischen Zwielichtigkeit und Alltäglichkeit, zwischen Referenzialität und entrückter Realität. Ihre Motive zeigen Alltagsgegenstände und alltägliche Orte und spielen mit Größenverhältnissen und Realitätsverschiebungen. Es entsteht ein Wechselspiel zwischen dem funktionalen Außenraum des Hafens und einem künstlerischen Kosmos, der die Symbole, Rhythmen und Logiken dieses nächtlichen, nie ruhenden Teils des Stadtraums aufgreift und reflektiert.
Anreise
Fähre 73 um 17:30 Uhr von den Landungsbrücken zur Ernst-August-Schleuse. Von dort führt die erste Nachtwächterin zum Veranstaltungsort (Fußweg ca. 15 Min.). Parkmöglichkeiten am Reiherstiegdeich 55 sind vorhanden.
Abreise
Letzte Fähren von der Ernst-August-Schleuse zu den Landungsbrücken: 21:10 und 21:50 Uhr. Fußweg ca. 15 Min.; bitte frühzeitig am Anleger sein, da die Fähren teils vorzeitig abfahren.
Verhaltenskodex & Zugänglichkeit
Information dazu findet ihr hier
🇲🇮🇹 Cecilie Norgaard
Uhr
Reiherstiegdeich 55,
Hamburg-Wilhelmsburg
Anreise: Fähre 73, 17:30 Uhr: Landungsbrücken – Ernst-August-Schleuse.
Von dort führt die erste Nachtwächterin zum Veranstaltungsort (Fußweg ca. 15 Min.)
🇱🇮🇳🇰🇸
Zu Cecilie Norgaard – „Handmade”
Das Zusammenspiel von Dunkelheit und Licht ist ein grundlegendes Prinzip der Malerei. In der Renaissance modelliert das Licht die Körper aus dem Dunkeln heraus, sodass sie wie aus der Finsternis geboren erscheinen. Die Dunkelheit ist hier nicht bloß Hintergrund; sie ist aktiver Bildraum. Ohne Schatten fehlte es der Malerei an Tiefe, Körperlichkeit und räumlicher Wirkung.
Cecilie Norgaards künstlerische Arbeit tritt in einen kritischen Dialog mit der Geschichte der Malerei und verweist selbstreferenziell auf ihre eigene Existenz innerhalb der Ökonomien und Logiken der Kunst. Norgaards Bildwelten schälen sich aus schummrigen, spärlich beleuchteten Raumsituationen hervor: Objekte wie Spielzeug und häusliche Gebrauchs- und Einrichtungsgegenstände, die zu Protagonist*innen ihrer gemalten Szenen werden, betreten hier keine beleuchteten Bühnen. Vielmehr bewegen sie sich als eigenständige Lichtquellen in dämmrigen, vertrauten Alltagssettings wie auf Regalbrettern, Fenstersimsen und in Zimmerecken, aber auch auf Autobahnen und in Tunneln, deren Dimensionen schwer einschätzbar bleiben. Durch das Spiel mit Größenverhältnissen und Perspektiven reflektiert Norgaard auf humorvolle Weise gesellschaftliche Hierarchien, ihre Zwielichtigkeiten, Ambivalenzen und Verschiebungen. Viele ihrer Arbeiten zeigen Fahrzeuge und Transportmittel wie Lastwagen und Schiffscontainer – essenzielle Elemente des internationalen Frachthandels. Hiermit wird einerseits die Funktion des Gemäldes als portable Ware betont, die selbst zirkuliert, transportiert und gehandelt werden kann, und andererseits die Verstrickung künstlerischer Produktion in globale Logistikketten, Infrastrukturen und Wertschöpfungsprozesse aufgezeigt. Indem Norgaard diese Transportmittel nicht nur als Motive, sondern als strukturelle Analogien einsetzt, verschränkt sie Bildraum und Warenraum miteinander: Das Gemälde erscheint zugleich als imaginiertes Szenario und als realer Gegenstand, der verpackt, verschifft und ausgestellt wird.
Auf dem Gelände der Unitainer Trading GmbH, einem international tätigen deutschen Unternehmen mit Sitz in Hamburg, das sich auf Containerlösungen spezialisiert hat, wird dieser Aspekt von Norgaards Arbeit hervorgehoben: Ein Schiffscontainer fungiert als Ausstellungsfläche für die Arbeit Handmade. Die für diesen Ort entstandene Malerei ist nicht nur inhaltlich, sondern auch materiell und räumlich eng mit ihrer Umgebung verwoben. Ihre Verortung im Hamburger Hafengebiet verbindet sich mit einer Reflexion über Nachtarbeit und das Kunstwerk als Träger ökonomischer Werte. Während das Gemälde als Behältnis vielschichtiger Bedeutungsebenen dient, wird der (Hafen-)Container zugleich zum realen Aufbewahrungsort der Ware Kunst. So entsteht ein Wechselspiel zwischen dem funktionalen Außenraum des Hafens und einem künstlerischen Kosmos, der die Symbole, Rhythmen und Logiken dieses nächtlichen, niemals ruhenden und stets erleuchteten Teils der Stadt aufgreift und reflektiert.
Handmade lässt auch eine formale Beziehung zwischen den modularen Bausteinen des Hafens – Containern, Stapelungen und linearen Strukturen – und der teilweise grafisch organisierten Komposition der Bildfläche erkennen. Die im Vordergrund hervortretenden figürlichen Elemente spiegeln diese Bausteinlogik wider, indem sie sich prägnant und beinahe emblematisch von der Fläche abzeichnen. Dadurch intensiviert sich das Wechselspiel zwischen Außenraum und Bildraum: Die Arbeit nimmt die visuelle Ordnung des Hafens auf und transformiert sie in eine malerische Struktur. Der Einsatz der Spielbausteine verschiebt die Bildwelt zugleich in einen intimen, beinahe häuslichen Raum, in dem aus einfachen Formen ganze Welten entstehen. Sie rufen die Assoziation des Spielzimmers hervor: ein Ort der Imagination, an dem Konstruktion und Zerstörung dicht beieinanderliegen. Die monumentale Logik des Hafens kippt so ins Mikroformat; zugleich klingt die Nachtschicht als unsichtbarer, essenzieller Bestandteil der Care-Arbeit an. Zwei Hände im Hintergrund formen gemeinsam eine sexuell konnotierte Geste – der phallisch inszenierte Zeigefinger nähert sich der anderen Hand, die ein Loch bildet. Die Handbewegung zieht einen Spannungsbogen zwischen Produktion und Reproduktion. Sie evoziert sowohl den künstlerischen Akt der Reproduktion als auch den der Fortpflanzung; in den Spielbauklötzen materialisieren sich gleichsam deren Resultate. Sie verweisen auf die Welt des Kindes, jenes „Produkt“ des Begehrens, und stehen zugleich für das Errichten neuer Ordnungen. Fragile Systeme, die jederzeit lustvoll zum Einsturz gebracht werden können. An dieser Stelle wird eine Ebene des Begehrens zugänglich, die sowohl das Kunstschaffen als auch kapitalistische Prämissen in neuem Licht erscheinen lässt. Private, künstlerische und unternehmerische Arten der Nachtarbeit korrelieren hier: Produktion wird nicht nur als ökonomischer, sondern auch als libidinöser Prozess begreifbar – als ein System von Zirkulationen, in dem Waren, Bilder und Begehren gleichermaßen in Umlauf geraten.
Kurzinfo Einfache Sprache
Die Veranstaltung ist der erste Teil eines Kunstprojekts. Das Projekt hat mehrere Teile, die zwischen Februar und Dezember 2026 stattfinden. Es trägt den Titel Night Shifts. Es findet in Hamburg an verschiedenen öffentlichen Orten statt. Das Thema des Projektes ist Dunkelheit.
Die Veranstaltung ist eine Ausstellung der Künstlerin Cecilie Norgaard. Es wird eine Malerei ausgestellt. Die Malerei wird in einem Container im Hamburger Hafengebiet ausgestellt, da dieser Ort mit Dunkelheit und nächtlicher Arbeit zu tun hat und damit zum Projekt Night Shifts passt. Der Hafen von Hamburg ist ein Ort, an dem Tag und Nacht gearbeitet wird und daher ständig beleuchtet ist, obwohl dort niemand wohnt.
Es findet auch eine Performance statt. Drei Personen, die als Nachtwächterinnen kostümiert sind, begleiten das Publikum. Sie führen das Publikum zum Container. Die drei Nachtwächterinnen lesen Texte. Die Texte setzen sich mit den Themen Dunkelheit, Mond, Hafen, Arbeit in der Nacht und dem Transport von Waren auseinander.
Im Kunstwerk von Cecilie Norgaard sieht man Spielbausteine. Sie erinnern an ein Kinderzimmer. Dort kann man neue Welten bauen – und wieder zerstören. Große Themen wie die Produktion von Dingen und der Transport von Dingen werden so klein und persönlich.
Im Hintergrund des Bildes sieht man zwei Hände, die eine besondere Geste machen. Das kann man als Zeichen für Produktion und Fortpflanzung verstehen. Es geht um das Erschaffen – in der Kunst, in der Wirtschaft und im Leben.
Night Shifts 1 mit Cecilie Norgaard, 02/2026, Photo: Fabian Hammerl
Handmade, Cecilie Norgaard, Night Shifts 1, 02/2026, Installationsansicht, Photo: Fabian Hammerl
Night Shifts 1 mit Cecilie Norgaard, 02/2026, Photo: Fabian Hammerl
Night Shifts 1 mit Cecilie Norgaard, 02/2026, Photo: Fabian Hammerl
Nachtwächterinnen, performative Einführung, Night Shifts 1, 02/2026, Dokumentationsfoto, Photo: Fabian Hammerl
Nachtwächterinnen, performative Einführung, Night Shifts 1, 02/2026, Dokumentationsfoto, Photo: Fabian Hammerl
Nachtwächterinnen, performative Einführung, Night Shifts 1, 02/2026, Dokumentationsfoto, Photo: Fabian Hammerl
Nachtwächterinnen, performative Einführung, Night Shifts 1, 02/2026, Dokumentationsfoto, Photo: Fabian Hammerl
Nachtwächterinnen, performative Einführung, Night Shifts 1, 02/2026, Dokumentationsfoto, Photo: Fabian Hammerl
Nachtwächterinnen, performative Einführung, Night Shifts 1, 02/2026, Dokumentationsfoto, Photo: Fabian Hammerl
Nachtwächterinnen, performative Einführung, Night Shifts 1, 02/2026, Dokumentationsfoto, Photo: Fabian Hammerl
Nachtwächterinnen, performative Einführung, Night Shifts 1, 02/2026, Dokumentationsfoto, Photo: Fabian Hammerl
Nachtwächterinnen, performative Einführung, Night Shifts 1, 02/2026, Dokumentationsfoto, Photo: Fabian Hammerl
Nachtwächterinnen, performative Einführung, Night Shifts 1, 02/2026, Dokumentationsfoto, Photo: Fabian Hammerl
Nachtwächterinnen, performative Einführung, Night Shifts 1, 02/2026, Photo: Fabian Hammerl
Handmade, Cecilie Norgaard, Night Shifts 1, 02/2026, Installationsansicht, Photo: Fabian Hammerl
Night Shifts 1 mit Cecilie Norgaard, 02/2026, Photo: Fabian Hammerl
Night Shifts 1 mit Cecilie Norgaard, 02/2026, Photo: Fabian Hammerl
Handmade, Cecilie Norgaard, Night Shifts 1, 02/2026, Installationsansicht, Photo: Fabian Hammerl
Night Shifts 1 mit Cecilie Norgaard, 02/2026, Photo: Fabian Hammerl
Night Shifts 1 mit Cecilie Norgaard, 02/2026, Photo: Fabian Hammerl
Night Shifts 1 mit Cecilie Norgaard, 02/2026, Photo: Fabian Hammerl